Solche Stücke verraten sich durch eine Kette von Unstimmigkeiten, die einzeln erklärbar wären, zusammen aber kein Original ergeben. Auffallend frische Imprints bei angeblich hohem Alter sind nur ein schwaches Indiz, denn nachträgliches Weißen der Prägung ist verbreitet. Aussagekräftiger sind die Beschläge: Ein Kappenring in ungewohnter Form und mit ungewöhnlichem Abstand zur Kappenlippe ist bei Montblanc nicht belegt, und ein Stern mit spitz ausgezogenen Zacken weist auf osteuropäische Nachfertigungen hin, wie sie etwa aus Tschechien und Rumänien bekannt sind. Ein für die Kappe deutlich zu kleiner Clip ist ein weiteres Warnzeichen; bei originalen Kugelclips ist die Metallkugel separat aufgesetzt und angelötet, sie wurde nie aus demselben Stück gefertigt wie der Clip.

Am Schaft gilt dasselbe: Ein Hebel nahe am Schaftende kommt bei keinem Montblanc-Hebelfüller vor. Besonders aufschlussreich ist der Abgleich der Patentnummer neben einem Simplo-Aufdruck, denn gehört diese Nummer zu einem Stoßfüller, kann das Stück kein Hebelfüller aus der Serienfertigung sein, und auch die Prototyp-Erklärung scheidet aus. Nicht selten ist ausgerechnet die Feder echt, stammt jedoch aus einer anderen Zeit, etwa aus den 1950er Jahren, und passt damit nicht zum vorgeblichen Halter. Für die Prüfung von Formen, Kappen, Kappenringen und Clips sind die Sammlerbücher von Rösler die beste Grundlage. Dass 2008 für ein derartiges Stück über 500 Euro geboten wurden, zeigt, wie lohnend der Aufwand für die Fälscher ist.