Moin Alex und alle anderen,
der Brief ist eindeutig mit einer historischen, flexiblen, feinen Feder geschrieben worden. Diesen Effekt kann man mit den heutigen Federn weder erzielen noch annähernd erreichen.
Vor der Kugelschreiberzeit, also vor 1950, waren die Schreibfedern generell flexibler. Danach waren die Hersteller gezwungen, steifere Federn herzustellen. Das Schreiben mit dem Kugelschreiber erfordert nun mal einen kräftigen Druck und die Menschen übten diesen Druck jetzt auch bei den Füllfederhaltern aus - mit der Folge, dass sie die Federn dauerhaft verbogen...
Wenn Du also "richtig" kalligraphisch schreiben willst, müsstest Du Dir einen Füllfederhalter aus den 20er oder 30er Jahren (oder noch älter) zulegen, der mit einer flexiblen EF-Feder ausgestattet ist. Waterman hat um 1900/1910 die besten Flex-Federn hergestellt, die ich kenne.
Das Schreiben erfordert allerdings eine intensive Übung, denn die ausdrucksvollen Strichvariationen bekommt man nur mit unterschiedlichem Druck hin und der sollte immer an den gleichen Stellen ausgeübt werden, sonst sieht\'s "grausam" aus.
Die Federn, die man heute als Kalligraphie-Federn ausgibt, sind fast immer einfache Stahlfedern. Sie sind breit und haben ein flach geschliffenes Schreibkorn. Je kräftiger man einen Strichunterschied sehen will, je breiter muss die Feder sein. LAMY bietet dafür drei Stärken an: 1,1mm, 1,5mm und 1,9mm (Bezeichnung 1,1 - 1,5 und 1,9 auf der Feder). Auch von Sheaffer (sehr gut) gibt es sogenannte Kalligraphie-Füllhalter. Rotring Script wäre aber auch eine (allerdings m.E. weniger gute) Alternative.
Massiv goldene Kalligraphie-Federn gibt es heutzutage mit dieser Bezeichnung nicht. "Stub"-Federn sind es, die dafür genommen werden. Auch sie sind breit und haben ein flach geschliffenes Schreibkorn.
(Bei Aurora werden Stub-Federn jedoch irreführend als OBB bezeichnet.)
OM, OB und B Federn sind i.d.R. für ein kalligraphisches Schreiben weniger geeignet. Die Strichstärkenunterschiede sind zu gering. Bei OBB, O3B, BB und 3B Federn kann man allerdings schon einen Kalligraphieeffekt sehen, wenn das Schreibkorn nicht zu rund ist.
Ein weit verbreiteter Irrtum ist, dass viele […]